HDCP 2.2 – Was Sie über den kommenden 4K-Kopierschutz wissen müssen

HDCP 2.2 – Was Sie über den kommenden 4K-Kopierschutz wissen müssen

Inhalte und Schnittstellen

Nachdem lange Unklarheit darüber herrschte, ob HDCP 2.2 überhaupt als neuer Kopierschutz-Standard für Ultra HD Inhalte etabliert würde, kann diese Frage inzwischen wohl fast zweifelsfrei bejaht werden. Ebenfalls sicher ist, dass der Mechanismus ausschließlich zum Schutz von ultra hochauflösendem Material (4K-Blu-rays, 4K-Streams, …) eingesetzt wird. Herkömmliche Full HD Inhalte sind also nicht von den Beschränkungen betroffen und sofern Sie aktuell noch kein 4K-Upgrade in Betracht ziehen, können Sie der Einführung von HDCP 2.2 relativ gelassen entgegensehen.

Anderenfalls ist es zunächst wichtig zu wissen, dass HDCP 2.2 und HDMI 2.0 zwar häufig in einem Atemzug genannt werden, sich aber gegenseitig nicht bedingen. So impliziert eine vorhandene HDMI 2.0 Schnittstelle nicht zwangsläufig die HDCP 2.2 Unterstützung und umgekehrt ist der Kopierschutz nicht an die Schnittstelle gebunden. Erst durch einen speziellen Hardware-Chip werden Geräte HDCP 2.2 kompatibel und sind dann in der Lage die entsprechend verschlüsselten Signale zu senden und zu empfangen. Neben der HDMI 2.0 Schnittstelle kann das eine ganze Reihe weiterer Schnittstellen (Display Port, DVI, USB, WirelessHD, Miracast, …) betreffen. Da HDMI 2.0 allerdings momentan die relevante Schnittstelle bei der Übertragung von 4K-Videodaten ist, steht diese natürlich besonders im Fokus der Diskussion.

Wie funktioniert HDCP 2.2 genau?

Um den unberechtigten Zugriff auf 4K-Inhalte zu verhindern, arbeitet HDCP 2.2 einerseits mit herkömmlicher Datenverschlüsselung, andererseits wird aber auch die Übertragung selbst reguliert und nur unter bestimmten Umständen zugelassen. Angenommen Sie haben Ihren Blu-ray Player via HDMI 2.0 direkt mit Ihrem 4K-Fernseher verbunden und spielen zukünftig eine 4K Blu-ray ab, so werden die Daten nur dann übertragen, wenn sowohl Player als auch Fernseher mit den entsprechenden HDCP 2.2 Chips ausgestattet sind und die gegenseitige Authentifizierung der Schlüssel erfolgreich war. Darüber hinaus darf die Übertragung der Datenpakete einen bestimmten Zeitraum (20 ms) nicht überschreiten, sonst wird die Verbindung ebenfalls nicht zugelassen beziehungsweise unterbrochen. Befinden sich weitere Geräte in der Signalkette, müssen auch diese die HDCP 2.2 Spezifikationen erfüllen. Sollen also die Video- und Audiodaten auf dem Weg zum Display oder Projektor beispielsweise durch einen AV-Receiver oder eine Soundbar geschleift werden, so müssen auch sie unbedingt HDCP 2.2 kompatibel sein.

Welche Probleme bringt HDCP 2.2 mit sich?

Aktuell sind keinesfalls alle für die Wiedergabe von audiovisuellen Inhalten relevanten Komponenten (Fernseher, Media-Player, AV-Receiver, Soundbars, Grafikkarten, …) mit den HDCP 2.2 Chips ausgestattet, sodass es mit aktueller Technik zukünftig zu Problemen bei der Wiedergabe von 4K-Inhalten kommen kann. Nehmen wir einmal an, dass unser oben dargestelltes Setup aus Blu-ray Player und 4K-Fernseher bereits HDCP 2.2 fähig ist. Fügen wir nun einen aktuellen AV-Receiver hinzu, ist es in Anbetracht der Marktlage sehr wahrscheinlich, dass dieser keinen HDCP 2.2 Chip integriert hat und somit die Übertragung von 4K-Inhalten blockieren würde. Sofern unser Abspielgerät zwei HDMI 2.0-Ausgänge besitzt, besteht noch die Möglichkeit eines Workaround: Während das Bild an dem Receiver vorbei direkt an das Display übertragen wird, versorgt der zweite Ausgang den AV-Receiver mit den Toninformationen. Wirklich komfortabel ist diese Lösung allerdings nicht und widerspricht außerdem der eigentlichen Idee, dass alle Bild- und Toninformationen gebündelt über einen Kanal zur Verfügung gestellt werden.

Schlussgedanken

Sollten Sie schon jetzt ihr Setup für die kommende Generation ultra hochauflösender Inhalte aufrüsten, lohnt es sich die Produktspezifikationen genau zu studieren und auf die HDCP 2.2 Unterstützung zu achten. Inzwischen ist es gang und gäbe, dass noch nicht verfügbare Technologien per Software-Update nachgereicht werden. Das ist bei HDCP 2.2 nicht möglich, da der Kopierschutz abhängig von dem bereits erwähnten Hardware-Chip ist. Während einige aktuelle Ultra HD Fernseher und Blu-ray Player bereits HDCP 2.2 implementiert haben, gibt es in anderen Gerätekategorien derzeit kaum Auswahl. Das betrifft zum Beispiel die AV-Receiver. Ein Silberstreif am Horizont ist da der dieser Tage neu verfügbare Denon AVR-X7200W, für den es voraussichtlich noch in diesem Frühjahr ein nachträglich installierbares HDCP 2.2 Hardware-Upgrade geben wird.

Update 22.05.15:

Inzwischen wurden der neue Ultra HD Blu-ray Standard inklusive HDCP 2.2 offiziell verabschiedet. Weitere Informationen finden Sie in in unserer Zusammenfassung aus der letzten Woche.

Update 23.04.15:

Die HDMI-Schnittstellen der beiden neuen Cambridge Audio AV-Receiver CX-R120 und CX-R200 werden ebenfalls vollständig HDCP 2.2 kompatibel sein.

Update 10.04.15:

Das HDCP 2.2 Upgrade für den Denon AVR-X7200W wird ab Mai 2015 für 199 Euro erhältlich sein. Einen Monat später stellt auch Marantz für seinen AV8802 ein entsprechendes Upgrade zur Verfügung.

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