Die Geschichte des Sprout
Zunächst wäre da die etwas ungewöhnliche und im Übrigen einfach gute Entstehungsgeschichte des Sprout, die gleichzeitig auch ein Stück Familiengeschichte ist. Danach stammt die Vision eine moderne, einfach zu bedienende, gut klingende und erschwingliche Endstufe für Jedermann zu bauen von Scott McGowan, seines Zeichens Musikliebhaber, PS Audio Mitarbeiter und Sohn des Firmenmitbegründers Paul McGowan, der mit dem Sprout quasi seine Reifeprüfung in Sachen HiFi-Unternehmertum abzuliefern gedenkt. Bei der Verwirklichung des ersten eigenen Projektes geht der Filius nicht nur hinsichtlich der konzeptuellen Ausrichtung des Produktes seinen eigenen Weg, sondern entscheidet sich auch für eine alternative Finanzierungsstrategie, die ganz dem modernen Geist des Sprout entspricht: Eine Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Kickstarter. Diese bringt letztendlich statt der für die Produktion angesetzten 36.000 stolze 414.000 US-Dollar ein, sodass der erste Class D All-In-One Verstärker von PS Audio – ansonsten eher für High End DACs und ähnliche Feinheiten bekannt – nur noch eine Frage der Zeit ist. Trotz einiger Unwägbarkeiten während der Produktion werden die ersten Geräte bereits ein halbes Jahr später ausgeliefert und von Kunden und Fachpresse wohlwollend aufgenommen. Ach ja, die glückliche Hochzeit von Scott McGowan und seiner Verlobten gehört auch noch zu der Geschichte, aber wir schweifen ab …
Ausstattung
Die Front wurde anhand zweier einfacher Fragen gestaltet: „What do you want to listen to and how loud?“. Seine individuellen Wünsche diesbezüglich teilt man dem kleinen Lautmacher, der in Aluminium und Holzfurnier gekleidet daherkommt, auf ebenso simple Weise durch die Betätigung zweier Bedienelemente mit. Der Eingangswahlschalter wartet mit den Optionen Vinyl, Analog, Digital und Bluetooth auf und lässt bereits darauf schließen, was die Entwickler in dem gerade einmal 1,8 kg schweren Kistchen alles untergebracht haben. Der zweite Regler ist gemäß der Ausgangsfrage für die Lautstärke verantwortlich. Auf eine Fernsteuerung dieser Parameter muss man als Sprout Besitzer verzichten, dafür befindet sich auf der linken Seite noch ein Kopfhörerausgang. Der dazugehörige Verstärker hat offensichtlich auch noch ein Plätzchen in dem knapp bemessenen Gehäuse gefunden und versteht sich mit sowohl mit mobilen als auch stationären Ohrhörern aller Couleur.
Die weiteren Ein- und Ausgänge befinden sich wie üblich auf der Rückseite. Der Sprout bietet einen typischen Phono-Eingang (MM-Tonabnehmer, Cinch), einen weiteren analogen Eingang (3,5 mm Klinke), einen digitalen Coaxial-Eingang sowie einen USB-Eingang. Des Weiteren verfügt der Verstärker über die obligatorischen Klemmen, um passive Lautsprecher anzutreiben sowie einen zusätzlichen analogen Ausgang (3,5 mm Klinke), sodass beispielsweise ein zusätzlicher Aktivlautsprecher oder Subwoofer angeschlossen werden kann. Das integrierte Bluetooh-Modul unterstützt erfreulicherweise den aptX Codec. Sofern das sendende Gerät ebenfalls aptX-kompatibel ist und die Quelldateien entsprechend hoch aufgelöst sind, erreicht die Klangqualität gegenüber einer herkömmlichen Bluetooth-Verbindung etwa CD-Niveau.
Inbetriebnahme und Klang
Möglicherweise gibt es gute Argumente dagegen, sofort nach der Rückkehr aus unserer Vorführung über ein Gerät zu schreiben. Andererseits ist kaum anzunehmen, dass sich an der Begeisterung für den Sprout morgen oder nächste Woche etwas geändert haben wird. Das Design ist wirklich gelungen, zudem wirkt der Sprout solide verarbeitet und so macht schon das Aufbauen und Anschließen Lust auf mehr. Wir entscheiden uns zunächst klein anzufangen und koppeln die Ausgänge mit den günstigen, aber guten Kompaktlautsprechern Dali Zensor 1. Eingangsseitig bekommt es unser Testkandidat mit dem neuen Pro-Ject RPM 1 Carbon zu tun. Schnell die Quelle auswählen – Vinyl. Der entsprechende Regler fühlt sich beim Durchschalten weder zu leicht- noch zu schwergängig an, passend dazu verhält sich auch die Rasterung des Lautstärkereglers. Ein wenig nach rechts. Ein kurzes Knistern. Los geht’s. Unsere Rechnung geht auf. Die Kombo ergibt einen angenehm plastischen und in sich stimmigen Gesamtsound. Im Bassbereich macht der kleine Verstärker keine Gefangenen. Ob man das als übertrieben oder „genau richtig“ empfindet, hängt sowohl von den angeschlossenen Lautsprechern als auch vom persönlichen Empfinden ab. Hinsichtlich der Abbildung des restlichen Frequenzspektrums besteht ebenfalls keinen Grund zur Beanstandung. Hier wird natürlich nicht jedes Detail und jede Frequenz in analytischer Perfektion abgebildet, aber das ist auch weder der Anspruch des Herstellers noch der von uns zusammengestellten Signalkette. Musikhören mit dem Sprout soll Spaß machen und das tut es – sehr sogar.
Nun wird es Zeit einmal den integrierten DAC zu strapazieren, schließlich gehört die Digital-Analog-Wandlung zu den ausgewiesenen Kernkompetenzen von PS Audio. Den USB-Anschluss und den optischen Eingang lassen wir allerdings links liegen und wählen stattdessen Bluetooth. Zwar ist der Funkstandard für eine hochwertige Übertragung von Musik nicht unbedingt die erste Wahl und es kommt erschwerend hinzu, dass unser Quellgerät – ein älteres iPhone – den aptX Codec nicht unterstützt, andererseits ist die Nutzung unter solchen Bedingungen im alltäglichen Gebrauch keineswegs abwegig. Und tatsächlich bleibt die Katastrophe aus. Die Klangqualität geht auch unter diesen denkbar ungünstigen Voraussetzungen immer noch in Ordnung, obwohl ein aptX-fähiges Quellgerät natürlich tendenziell zu bevorzugen ist. Wenn es dann doch etwas mehr sein darf: Der DAC des Sprout verarbeitet selbstverständlich auch höchste Auflösungen bis zu 192 KHz/24 Bit.
Nach diesem durchweg positiven Einstand haben wir das Gefühl, dass das kleine Multitalent durchaus größeren Herausforderungen gewachsen ist. Wir übergehen eine mittlere Lösung und tauschen die bisher verwendeten Dali Zensor 1 gegen ein ausgewachsenes Paar Dali Epicon 8 aus. Obwohl Abmessungen und Gewicht des Verstärkers nur einen Bruchteil der Lautsprecher ausmachen, zeigt der Sprout überhaupt keine Berührungsängste und bringt die Membranen ohne mit der Wimper zu zucken ordentlich zum Schwingen. Der zuständige Drehregler hat etwa ein Drittel des möglichen Weges zurückgelegt, als wir uns pegeltechnisch bereits jenseits der Grenze befinden, die man im Allgemeinen wohl als „Zimmerlautstärke“ bezeichnet. Klingen tut das Ganze übrigens auch noch, zumindest als wir der Phonostufe wieder das Ruder überlassen. Die Dali Epicon 8 offenbaren die Schwächen einer herkömmlichen Bluetooth-Verbindung dann doch ziemlich gnadenlos. Abschließend darf ein Paar Bowers & Wilkins 802 Diamond auch nochmal ran. Die Massenverhältnis zwischen Verstärker und Lautsprechern wirkt hier noch einmal absurder, was den Sprout – das haben wir jetzt verstanden – bei der Erfüllung seiner Aufgabe allerdings überhaupt nicht stört. Ganz im Gegenteil, auch über seiner Gewichtsklasse fühlt sich dieses kleine Kraftpaket ausgesprochen wohl und macht nach wie vor richtig Spaß.
Fazit
Mit dem gleichermaßen simplen sowie stimmigen Gesamtkonzept und einem verblüffend guten Klang gelingt es dem Sprout aus der Masse hervorzustechen und sich als ernstzunehmender, moderner Verstärker für alle analogen und digitalen Lebenslagen zu präsentieren. Die überschaubare und gleichzeitig sinnvolle Auswahl an Ein- und Ausgängen untermauert diesen Eindruck zusätzlich und macht die kleine All-In-One Endstufe flexibler als man zunächst vermuten würde. Von einer ausschließlichen Drahtlos-Nutzung über Bluetooth und WLAN (eine externe WLAN-Bridge vorausgesetzt) bis hin zum eher traditionellen Betrieb mit Plattenspieler und CD-Player am optischen Eingang ist hier wirklich alles denkbar. Auch wenn unser Experiment mit den sehr viel hochpreisigeren Lautsprechern etwas realitätsfern anmutet, so zeigt es doch ganz deutlich, dass der Sprout – wohlmöglich zunächst in einem kleineren Setup betrieben – auch nach einem Upgrade in einer höherwertigen Kette durchaus seinen Platz zu behaupten weiß. Neben allen eindeutig benennbaren Qualitäten handelt es sich darüber hinaus auch um eines dieser Geräte, das in der Lage ist, ein unerklärliches „Haben wollen“-Gefühl auszulösen. In diesem Sinne kann man Scott McGowan nur zu seiner glänzend bestandenen Reifeprüfung gratulieren.
Update
Inspiriert durch unseren Test, haben wir ein kleines Vinyl-Digital-Set zusammengestellt.








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