Radioempfang: UKW, DAB, DAB+ oder Webradio?

Die meisten Radiohörer stehen bei der Neuanschaffung von Empfangsgeräten vor 3 Problemen:

1. Mit welcher Empfangstechnik kann ich meine Lieblingssender hören?
2. Wie gut ist die erreichbare Klangqualität?
3. Wie lange kann ich den Empfänger nutzen? Wird DAB & UKW abgeschaltet?
Aktuelle Möglichkeiten sind:

1. UKW – der analoge Rundfunk wie es ihn seit Jahrzehnten gibt bietet immer noch viele Sender und eine recht gute Qualität. Die Bandbreite ist bei der Übertragungstechnik von Sender zu Sender unterschiedlich, im Mittel werden Frequenzen von etwa 35 Hz – 15kHz übertragen, die Stereoabbildung ist gut. Niemand weiß genau, wie lange UKW noch übertragen wird. Eine „harte Abschaltung“ (Big Bang) ist eher unwahrscheinlich weil damit kaum noch ein vorhandenes Radio funktionieren würde. Möglich ist aber alles…

2. DAB – der erste flächendeckende Versuch digitalen Rundfunk in Deutschland zu etablieren war DAB. Technische Grundlage ist der Musicam Audio-Codec, welcher verglichen mit heutigen Codecs uneffizient arbeitet (MP3 ist eine weiterentwickelte, verbesserte Entwicklung von Musicam, eine Variante des MP2). DAB bietet prinzipiell die Möglichkeit einer sehr guten Klangqualität, da theoretisch Bandbreiten bis 256kbit/s möglich sind. Effektiv senden aber DAB-Sender in Deutschland mit maximal 128kbit/s, dadurch ist die Klangqualität in der Regel schlechter als bei UKW. Die Stereoabbildung ist etwas schlechter (durch eine schlechtere Kanaltrennung), zudem limitiert die Kombination aus niedriger Bandbreite und uneffizientem Codec, so dass bei ca. 14kHz das Ende der Übertragungsbandbreite erreicht ist. Vorteile von DAB gegenüber UKW sind der höhere Rauschabstand und größere Dynamikreserven. Da die meisten Radiostationen die Musik vor dem Senden nochmals komprimieren ist dieser theoretische Vorteil in der Praxis meist irrelevant. DAB ist inzwischen kaum noch empfangbar, da der Nachfolger bereits gestartet ist.

3. DAB+ – die Weiterentwicklung von DAB arbeitet mit einem effizienterem Codec, allerdings lässt sich dafür nicht jeder DAB-Tuner nutzen. In der Regel ist eine Neuanschaffung erforderlich. DAB+ soll flächendeckend eingesetzt werden und eine große Sendervielfalt bieten in einigen Jahren. Durch Verwendung des effizienten AAC-Codecs ist theoretisch eine sehr gute Klangqualität realisierbar – in der Praxis senden die derzeit empfangbaren DAB+-Sender allerdings mit Datenraten von MAXIMAL! 64kbit/s, so dass die Qualität bestenfalls das Niveau von DAB erreicht, oftmals aber noch deutlich darunter liegt. Vorteil der geringen Datenraten sind niedrigere Sendekosten, da mehrere Kanäle auf den gleichen Frequenzen übertragen werden können. Ob sich DAB+ in Deutschland flächendeckend erfolgreich durchsetzt ist noch nicht sicher. Qualitativ ist DAB+ derzeit keine ernstzunehmende Alternative, auch die Senderauswahl und verfügbarkeit ist mäßig.

4. Webradio – am meisten Potential bietet derzeit das Webradio. Internetradio bietet die mit Abstand größte Senderauswahl und im Idealfall die beste Empfangsqualität (es sind verschiedene Codecs mit nahezu beliebigen Bitraten einsetzbar). Internetradio kann mit jedem PC oder jedem dafür gebauten Tuner empfangen werden, so dass die Anschaffungskosten gering sind. Zudem ist Webradio wohl auch die zukunftssicherste Empfangsvariante.
Die einzigen beiden Einschränkungen für Webradio: Es muss Internet verfügbar sein. Da aber immer mehr Menschen Smartphones mit Internetflatrate besitzen ist das immer seltener ein Problem. Wenn es etwas störendes am Webradio gibt, dann ist dies die extrem unterschiedliche Übertragungsqualität. Die meisten großen deutschen Sender übertragen heute in MP3-Qualität mit Datenraten von 128kbit/s und mehr, einzelne Sender weichen aber noch deutlich nach unten ab. Erwartungsgemäß wird sich aber mit immer schneller werdendem Internet auch die Sendequalität immer weiter verbessern – so dass hier ohne Gerätenachrüstung über viele Jahre mit einer ständig steigenden Qualität zu rechnen ist.

5. Radio über Satellit und Kabel – TV-Geräte und Set-Top-Boxen können neben dem TV-Programm auch Radio empfangen, wenn der Kabel- oder Satelliten-Betreiber diese einspeist. Der größte Vorteil dieser Übertragung sind die recht großen Bandbreiten von bis zu 320kbit/s, allerdings mit dem weniger effizientem MP2 Codec (Musicam). Wer den bestmöglichen Klang über Radio sucht hat derzeit über Kabel (DVB-C) und Satellit (DVB-S) die besten Möglichkeiten. Allerdings wird niemand garantieren, wie lange Radiosender über Satellit, vor allem aber über den Kabelbetreiber, ausgestrahlt werden.

Fazit: Derzeit gibt es 3 Empfangsmöglichkeiten, welche wir empfehlen können.

Internetradio dürfte für die meisten Interessenten derzeit die erste Wahl sein. Beste Empfangsqualitäten, Zukunftssicherheit und größte Senderauswahl sprechen dafür. Viele Netzwerk-Tuner – etwa der Rotel RT-12 – bieten zusätzlich weitere Empfangsmöglichkeiten – etwa UKW und DAB an. Wer darauf verzichten möchte, erhält beispielsweise mit einem Multiroom-System von Sonos, Bluesound oder Denon HEOS eine spannende Möglichkeit die bestehende Anlage um Internetradiosender und weitere Streaming-Eigenschaften zu erweitern.

Als günstigste und klanglich gute Variante ist auch UKW noch empfehlenswert. Die Wahrscheinlichkeit des „Big Bangs“, der harten UKW-Abschaltung halte ich für eher gering (siehe dazu auch hier). Hier gibt es klassische Radio-Tuner in verschiedenen Preisklassen.

Wer kompromisslos und „high-endig“ Radio hören möchte, sollte sich eine Sat-Schüssel oder wenigstens einen Kabelanschluss gönnen und über DVB hören. Zwingend erforderlich für das Abschöpfen der besten Tonqualität ist entweder ein separater, hochwertiger Empfänger oder aber der Einsatz eines normalen TV-Empfänger, welchem man aber einen hochwertigen D/A-Wandler zur Seite stellen sollte. Gerade bei Kabelanbietern ist das Angebot an Radiosendern nicht immer durchschaubar, so dass Sie sich vorab ein Gerät zum testen ausleihen sollten und beim Kabelanbieter anfragen sollten, ob Änderungen am Radioangebot absehbar sind.

Hier haben wir zum Thema UKW und DAB ein Update veröffentlicht.

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